[Rezension] Peter Hellinger – Feuergott

Feuergott – Kurzgeschichten
art&words 2011
156  Seiten, Softcover
ISBN 978-3-9813059-2-0
EUR 14,95
erschienen am 20. November 2011

Diese Rezension entstand im Rahmen des Projekts “Blogg dein Buch”.
Genaueres dazu und zu den Bedingungen findet ihr hier.
Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches durch den Verlag!

„Bakun!“ schrien die Menschen im Rhythmus der Trommel, „Bakun!“ schrie auch Thoralf, der inmitten des leuchtenden Dampfes stand und mit dem Zeremonienmesser die Luft zerteilte. Er glaubte eine Bewegung jenseits der Schwaden zu erkennen, eine große Gestalt, ganz in Silber. Schwankend stolperte das Wesen aus dem Dampf direkt auf ihn zu. Bakun, der Feuergott, war in die Welt zurückgekehrt.

(Etwas zum Inhalt zu schreiben ist schwer, da es sich um einen Sammelband handelt, deswegen habe ich hier auf den Ausschnitt der ersten Kurzgeschichte zurückgegriffen, die auch andernorts als Inhaltsangabe benutzt wird. Eine Leseprobe gibt es ebenfalls.)

Insgesamt 35 Kurzgeschichten sind in diesem kleinen Band zusammengefasst, deren Länge zwischen zwei und sechs Seiten angesiedelt ist. Davon sind 19 aus der Sicht eines Ich-Erzählers verfasst. Bei zehn Texten nicht klar ersichtlich, ob die Hauptfigur männlich oder weiblich ist. Im Gesamten allerdings sind nur sechs Geschichten eindeutig aus der Sicht von Frauen erzählt. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass ein Autor_innen häufig aus der geschlechtlichen Perspektive schreiben, die ihnen am nächsten liegt. Aufgefallen ist es mir dennoch.

Die Genres sind breit gefächert: von Fantastischem, Zeitgenössischem über Anekdoten bis zu krimiähnlichen Szenarien ist alles mögliche dabei. Den teilweise recht abrupten Wechsel zwischen den Geschichten gleicht der, durch atmosphärische und prägnante Beschreibungen von Gefühlen und Situationen geprägt Stil von Peter Hellinger gut aus, sodass sich das Lesen recht flüssig gestaltet.

Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile: es bleibt mehr Platz im Rahmen der Geschichte, um etwas zu erzählen. Liest man jedoch mehrere Kapitel hintereinander weg, wird es etwas langweilig. Der hohe Wiederkennungswert von Hellingers Erzählweise wird so schnell zur Falle der Vorhersehbarkeit. Die Charaktere haben oft keine Gelegenheit, wirkliche Tiefe zu entwickeln, und konnten mich nicht immer einnehmen. Natürlich ist das nicht bei allen Geschichten gleichermaßen nötig; manche kommen ohne viele Worte besser aus, und lassen Lücken, die die eigene Fantasie hervorragend füllen kann. Trotzdem erwischte ich mich vor allem gegen Ende des Buches dabei, die Geschichten nur mehr zu überfliegen statt sie intensiv zu lesen.

Insgesamt 35 Texte, denen man die Vielfalt des Inputs und die Kreativität des Autors anmerkt.  Und genau das ist mein größter Kritikpunkt – ich hätte mir eine kleine Anzahl Geschichten gewünscht, denen etwas mehr Zeit gewidmet wurde. Viele von ihnen bieten noch unausgeschöpfte Möglichkeiten und können weitererzählt werden. Andere wiederum empfand ich als so schriftstellerisch unreif und holperig, dass sie den Gesamteindruck verschlechtern. Vielleicht hätte es dem Buch gut getan, die Geschichten thematisch zu bündeln und damit das Lesen nicht nur übersichtlicher, sondern auch stimmungsvoller zu machen. Das ist für mich ein Qualitätsmerkmal von Kurzgeschichtensammlungen – die Einzelgeschichten können für sich alleine stehen, und doch bleibt der Tenor des Gesamtwerkes dabei stimmig.

“Feuergott” und seine Kurzgeschichten lässt sich keinem Genre hundertprozentig zuordnen. Wer nicht gerne lange am Stück liest, nur quer in ein Buch reinblättern möchte, etwas zum Vorlesen für alle Altersstufen oder ein Geschenk fürs 12jährige Patenkind sucht, ist hiermit bestimmt gut bedient.

Von mir gibt es 3 von 5 Sternen.

Feuergott – Kurzgeschichten” bestellen.
Homepage des Verlags art&words.

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