Kleinerdreißigtagebuch – 28. April

Das hat ja wunderbar funktioniert.

Am 30. April geht das Projekt, dass ich mir hier auferlegt habe, schon zu Ende.
In der vergangenen Woche litt das Schreiben ein bisschen, aus Besuchsgründen und aus Faulheit und aus der wiederholten inneren Debatte, was ich aufschreiben soll, wenn ich nichts zu sagen habe. Manche Tage geben nichts her. Dann stehe ich mit den Worten auf Kriegsfuß. Deswegen beende ich das Kleinerdreißigtagebuch vorzeitig – allerdings nicht komplett. Hier und da passiert durchaus etwas in meinem Leben, dass ich irgendwie festhalten will. Da ich das viel zu selten tue, weder auf Papier noch digital, will ich das gelegentliche Tagebuchbloggen immer mal wieder aufgreifen. (Beispielsweise liegt noch immer der Blogpost zu der Nacht der Museen in meinem Entwürfeordner. Und bevor wieder ein halbes Jahr oder mehr ins Land geht, will ich davon erzählt haben.)

Aktuell ist mein Leben ziemlich nah am Inbox Zero-Status – sofern das für mich zutreffen kann. Wenn ich mich nicht wirklich blöd anstelle, wird es wohl die kommenden drei Jahre so bleiben wie es ist – die Schule und das Leben drumherum, das Auf und Ab mit dem sozialen Dingsbums, der Kerl und die Entfernung. Diese Sachen werden sich so bald nicht ändern. Es ist ein guter Weg zu einer zufriedenstellenden Gleichmäßigkeit, die hoffentlich nach und nach ein paar Aspekte mehr bekommt.

TL;DR: es wird weiter tagebuchgebloggt und gerade ist alles ziemlich okay.

Als passende Ergänzung ein bisschen BAMF Tyrion Lannister.
Man muss ja weder die Bücher gelesen noch die Serie gesehen haben, um ihn zu lieben. ( “Never forget what you are. The rest of the world will not. Wear it like armor and it can never be used to hurt you.”)


Kleinerdreißigtagebuch – 21. April

Dies ist ein Platzhalterpost – ich habe nämlich so viel von meiner persönlichen Nacht der Museen zu berichten, dass der Blogpost länger ausfällt als geplant. Danach halte ich euch aber wieder zuverlässig über die unglaublich spannenden Ereignisse meines Alltags auf dem Laufenden, versprochen.

Kleinerdreißigtagebuch – 20. April

Wie jetzt, Kleinerdreißigtagebuch am Mittag? (Das klingt wie ein schlechtes RTL II-Format.) Gestern gab es kein Tagebuch, stattdessen lag ich um 22:30 Uhr selig im Bett, um bis 8 Uhr heute morgen durchzuschlafen. Plus zwei Stunden Nickerchen am Nachmittag zuvor. Schrieb ich schon, dass ich in den letzten Tag sehr müde war? Ich war ziemlich müde.

Trotzdem klopfe ich mir ein bisschen auf die Schulter für die vergangene Woche. Am Montag kommt mein Strahlemädchen aus Berlin wieder, wo sie unter anderem den Kerl unterhalten hat, und quartiert sich für drei Tage auf meiner Couch ein. (Qualitätsmerkmal meiner Freund_innen: ich lasse sie nicht nur ohne zu Zögern in meiner Wohnung alleine, ich möchte sie auch nicht nach 24 Stunden Daueranwesenheit aus selbiger werfen.) Am gleichen Montag steht auch ein Erstgespräch an. Vielleicht hat die Suche danach ein Ende.

Da sind erst mal keine Klausuren oder Tests mehr vor mir (außer einem Kunstreferat, das zwar ein wirklich tolles Thema hat, aber all die Karteikarten), der Mai hat eine Handvoll Feiertage, die das alles ein bisschen leichter machen und die große, schwere Wolke vom Beginn der Woche hat sich bis auf einen leichten Schleier wieder verzogen. Die meiste Zeit versuche ich, ein Superheldenhobbit zu sein.

(Da ist noch eine Menge an mir, das besser werden kann und sollte. Meistens sage ich mir, dass wer mich bis jetzt ausgehalten hat, es auch noch eine Weile tun wird, bis ich diese lockeren Schrauben festgedreht habe.)

Gelesen: noch immer der dritte Band der GoT-Reihe. Außerdem dieses wunderbare Blog.

Heute Abend dann Nacht der Museen; mit dabei sind unter anderem das Stadtarchiv und das Stadtmuseum in Düsseldorf. Vielleicht lasse ich mich dort einfach einschließen und fröhne selig dem historischen Nerdtum.

Wer ein bisschen Zeit hat: diesen Bericht gab es vor Jahren bereits im Fernsehen, ist immer noch sehr sehenswert.

Kleinerdreißigtagebuch – 18. April

Geschafft! Geschafft! Also fast. Noch ist das Wochenende nicht da. Aber der größte Teil der Woche liegt hinter mir. Blöd dabei ist die Müdigkeit, die mich schon tagelange begleitet und macht, dass ich gegen 21 Uhr nur noch tot ins Bett fallen könnte. Was ich nicht tue (meistens. Gestern zählt nicht dazu), denn dann könnte ich weder bloggen noch mit dem Kerl sprechen und gerade letzteres lasse ich mich ungerne entegehen. Schieben wir es auf den Wetterumschwung, das ist immer ein guter Allgemeinplatz.

Liebe Tagebuch, heute habe ich mich geärgert. Weil es zwei Fächer gibt, in denen meine momentane Lage nicht so schön ist wie sie sein könnte. Leider fallen diese beiden Fächer auf einen Tag, dem einzigen, an dem ich überhaupt jeweils eine Doppelstunde darin habe. Dieser Umstand und meine Neigung, kurz vor Ende der Woche immer mal wieder zu schwächeln, vertragen sich nicht so gut. Was bedeutet, dass meine Quartalsnoten vermutlich deutlich von dem abweichen, was sie sein könnten. Das ist keine Katastrophe und auch noch ausbügelbar, trotzdem schmollt meine innere Streberin über den Umstand, leicht verdiente (sehr) gute Noten vergeben zu haben. Ich übe ein mantraartiges Dings: Niemand verlangt einen Einser-Schnitt außer du selbst. Alles wird gut. Immer einen Schritt nach dem anderen. Vielleicht kaufe ich mir zwischendurch einfach einen Lolli.

(Mir ist bewusst, dass für ganz viele, die das lesen, das Drama um meinen Kampf mit der Anwesenheit, nicht verständlich sein dürfte. Besonders, weil ich freiwillig noch mal die Schulbank drücke. Ich kann euch beruhigen: ihr müsst es nicht verstehen.)

Beim wiederholten Schreiben des Datums festgestellt: noch ein Monat, bis ich den Kerl wiedersehe und mit ihm The XX ansehe, noch vier Monate bis zu meinem Geburtstag, noch drei bis Ende des Semesters. An meinem hart verdienten Wochenende führe ich mir außerdem die Nacht der Museen zu Gemüte, fuchtelpopuchtel.

Alles, was momentan so um mich herum passiert, bekomme ich nur häppchenweise mit. Es gäbe so viel, was ich hören, lesen, lernen möchte, über das Alltägliche hinaus. Dieses Bedürfnis, an allen Fronten 100 Prozent zu geben, reibt auf.

Und wenn ich jetzt gleich ganz brav zur geplanten Zeit ins Bett gehe, bekomme ich 7 Stunden Schlaf. Ich kann kaum an mich halten!

To Do-Liste: 3/5. (Knatschhobbit)
Erwähnte ich schon, dass es eine Sucht ist? Es ist eine Sucht.

Kleinerdreißigtagebuch – 16. April

Disclaimer: heute war ein guter Tag. Mein Karma stürzt sich auf solche Sätze immer wie die Kandidatinnen von GNTM auf Pizza, wenn keiner hinsieht, aber das Risiko muss ich jetzt eingehen. Ich schreibe morgen eine Französisch-Klausur, es kann nur besser werden.

Es war ein guter Tag, weil die Schwere heute nicht mehr im Kopf war oder zumindest nicht mehr so stark. Zum ersten Mal seit Monaten bin ich heute wieder mit Musik auf den Ohren rausgegangen (einer lange Geschichte), das macht die Welt viel interessanter. (Menschen gucken übrigens komisch, wenn man an Bahnsteigen dezent vor sich hin tanzt. Wollten bestimmt nur mitmachen und haben sich nicht getraut, die armen Schweine.)  Irgendwas ist an diesem Wetter, dass mich schlagartig Jahre zurückversetzt und bis heute kann ich nicht sagen, warum. Hoffentlich finde ich irgendwann die Worte dafür, warum der Sommerbeginn mich jedes Jahr wieder zum Teenager macht. Es hat irgendwas mit dem Geruch der Luft zu tun und der Erleichterung, die auf einmal allen Menschen im Gesicht steht, wenn sie die dicken Wintermäntel und Schals nicht mehr tragen müssen.

Spontan ausfallende Mathedoppelstunden sind auch schön. Sie werden meist von einer schönen Doppelstunde mit netten Menschen in der Schulcaféteria ersetzt (das Szenario ist uns schon bekannt, denn meine Mathelehrerin ist ebenso nett wie verstrahlt). Dienstags habe ich nur Fächer, die ich mag und auch schon um halb Eins Feierabend, das ist immer angenehm. (Morgen ist das anders, morgen ist der Arschlochmittwoch, der bis zehn nach Zwei andauert und in dem fünf verschiedene Fächer untergebracht sind. Er wird vom Arschlochdonnerstag nur durch eine Doppelstunde Physik übertroffen.)

Bei den Hausaufgaben festgestellt: neue Dinge zu lernen, vorausgesetzt, sie interessieren mich und ich muss sie nicht nur temporär auswendig können, macht mich immer noch in die Hände klatschend und fuchtelnd. Ich kann mich über Fotosynthese und Aminosäuren freuen wie ein kleines Kind, obwohl Biologie nicht gerade zu meinen Stärken zählt. Das ist eine Sache, die ich an mir ziemlich mag. Solange ich diese Begeisterung nicht verliere, ist auch der ganze Zukunftsplan noch nicht hinüber.

Am Rande: ich hatte von meinen Pflanzen erzählt – sie sind vom Fensterbrett auf den Balkon umgezogen und heute entdeckte ich im bisher leblosen Töpfchen mit Petersiliensaat erste kleine Blätter. (Wenn das so weitergeht, stelle ich mir noch Blumen auf den Balkon.) Weiterhin diverser Kleinkram: der werte Herr Buddenbohm steckte mich mit der Idee einer Mitgliedschaft bei der Büchergilde an. Die Buchhändlerin in mir rollt sich juchzend über den Boden und reibt sich an den Leineneinbänden von Sammlerstücken.

To Do-Liste: 4/5.
FazitYou’ll end up so much closer to perfection once you stop trying to be perfect.

Kleinerdreißigtagebuch – 15. April

Und ehe man sich versieht, ist der Monat zu Hälfte rum.
Am Anfang, noch in meinen Ferien, habe ich mir vorgenommen, dass dieser Monat wirklich, wirklich gut werden soll. 30 Tage am Stück etwas zustande zu bringen kann nicht so schwer sein, dachte ich. Aber weil ich mich kenne, hätte ich es besser wissen müssen.

Ich bin froh um jeden Tag, den ich einigermaßen über die Bühne bringe. Heißt: an dem ich nicht nur meiner Schulverpflichtung nachkommen, sondern auch noch andere, nützliche Sachen tun kann. Kaum etwas gibt mir so sehr das Gefühl, einen Wert zu haben, wie etwas zu schaffen. Nur ganz wenige Worte von ganz wenigen Menschen kommen dem manchmal gleich. Wenn ich selbige hineinlassen kann. Das Hineinlassen und das über die Bühne bringen wird seit zwei Wochen immer ein bisschen schwerer.

Ich würde gerne allen glauben, die mir Großes prophezeihen. Stattdessen sitze ich herum und beobachte mich beim Scheitern und Warten. Perfekte Sonnentagen wie heute, die richtig schmerzhaft in ihrer Vollkommenheit sind, führen mir erst vor Augen, was ich glaube und was ich weiß, nicht zu können und nicht zu schaffen. Ich traue mir meine eigene Zukunft nicht zu. Mit ganz kleinen Schritten gehe ich einem Abgrund entgegen, den ich verdammt gut kenne und den ich hinter mir lassen wollte. (Abstürzen, aufraffen, von vorn beginnen, abstürzen, aufraffen, von vorn beginnen).

Ich hatte eine schlechte Nacht und einen schlechten Start in den Morgen. Das wäre vielleicht noch in Ordnung gewesen und hätte sich aufgelöst, wenn ich die Kraft gehabt hätte, überhaupt pünktlich loszugehen. Und als ich mich dann durchgerungen hatte, immerhin zu dritten Stunde zu erscheinen, fiel der Zug aus. So ein richtiger Treffer ins Gemüt, eine vollkommende “Leckt mich doch am Allerwertesten”-Stimmung. Der Kerl bekam diese Sinneskrise ungefiltert ab (ich arbeite noch daran, ihn nur dann zu behelligen, wenn er mir auch helfen kann). Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mir immerhin beigebracht, dass alles in dieser Zustand tödlich ist, was nicht ablenkt. Also buk ich Focaccia, putzte die Wohnung, bereitete mein Kunstreferat vor, alles, um nicht Denken zu müssen. Wenn ich später im Bett liege, wird mich das wieder einholen.

Keine Ahnung, was morgen wird. Vielleicht wird es gut. Und vielleicht auch übermorgen. Spätestens Ende der Woche ist meine Kraft, meine Motivation, der Glaube an mich selbst meist wieder dahin, für ein paar Stunden, für einen Schultag, bis es wieder von vorne beginnt.

Die Seelenklempner_innensuche dauert an. In Momenten wie heute morgen weiß ich nicht, ob das reichen wird, oder ob ich von Anfang überhaupt nicht bereit war für das alles.

(Ich ringe noch mit mir, ob dieser Kleinerdreißigtext später mit einem Passwort versehen wird. Sollte ich das tun, darf natürlich gerne danach gefragt werden.)

Kleinerdreißigtagebuch – 14. April

Heute kein Kleinerdreißigtagebuch. Ich habe nichts zu erzählen.
Je weiter ich jetzt in meine Gedanken versinke, desto schwerer wird es, wieder hinaus zu kommen. Dabei habe ich mir versprochen, diesmal nicht unterzugehen und nichts zu riskieren. Ein Sommer ohne Einbruch, das wäre wirklich großartig. Vermutlich sieht es zum wiederholteb Mal viel schlimmer aus als es ist. Ich versuche gerade, mir beizubringen, dass ich schwimmen kann und nicht immer untergehen muss.